Pflanzenaquarium einfahren: die ersten Wochen und wann Fische einziehen dürfen
Aktualisiert
Das Einfahren ist die Phase, in der sich Bakterien, die Fischausscheidungen abbauen, in einem neuen Becken ansiedeln. Bis dahin sieht das Wasser sauber aus, ist aber für Tiere gefährlich.
Was beim Einfahren passiert
Zersetzendes Futter, abgestorbene Blätter und auslaugendes Aquasoil erzeugen Ammoniak (NH₃/NH₄⁺). Nitrifizierende Bakterien wandeln es in Nitrit (NO₂⁻) um, eine weitere Gruppe wandelt Nitrit in Nitrat (NO₃⁻) um. Ammoniak und Nitrit sind für Fische und Garnelen giftig; Nitrat ist in normaler Konzentration ein Nährstoff für Pflanzen.
Die Bakterien leben vor allem im Filter, im Bodengrund und auf allen Oberflächen. Deshalb beschleunigt ein kompletter Wasserwechsel das Einfahren nicht – im Wasser selbst sind kaum welche.
Wie lange es dauert
Meist vier bis sechs Wochen. Mit Filtermaterial aus einem eingefahrenen Becken geht es schneller, bei kühlerem Wasser oder ohne Ammoniakquelle langsamer.
Aquasoil setzt in den ersten zwei bis drei Wochen viel Ammoniak frei. Das ernährt die Bakterien, ist aber auch der Grund, warum du am Anfang oft Wasser wechselst.
Was du testen solltest
- NH₄ und NO₂ – ein- bis zweimal pro Woche. Das Einfahren ist abgeschlossen, wenn beide mehrere Tage in Folge bei null liegen.
- NO₃ – ein Anstieg zeigt, dass die zweite Bakteriengruppe arbeitet.
- pH und KH – als Ausgangswerte; Aquasoil senkt die KH meist.
Teststreifen reichen zur Orientierung; Tropftests sind bei NO₂ und NH₄ zuverlässiger.
Wasserwechsel beim Einfahren
Bei Aquasoil ist eine übliche Routine: in der ersten Woche alle zwei bis drei Tage 50 %, danach zweimal pro Woche und ab Woche drei oder vier einmal pro Woche. Die Wasserwechsel halten das Ammoniak niedrig, sodass Algen weniger Nahrung haben, und schaden den Bakterien nicht.
Bei inertem Bodengrund (Sand, Kies) ist weniger nötig, üblich sind 30 % einmal pro Woche.
Pflanzen und Licht von Anfang an
Bepflanze das Becken beim Einrichten dicht. Schnellwachsende Stängelpflanzen und Schwimmpflanzen entziehen den Algen Nährstoffe. Beginne mit sechs Stunden Licht am Tag und erhöhe jede Woche um eine halbe Stunde bis auf sieben oder acht Stunden.
Wenn du mit CO₂ düngst, starte es ab dem ersten Tag – stabiles CO₂ beugt Algen besser vor als alles andere.
Wann Tiere einziehen dürfen
Erst wenn NH₄ und NO₂ mehrere Tage bei null liegen. Otocinclus, Amanogarnelen und Rennschnecken sind gute erste Bewohner – sie helfen gegen die Algen, die fast jedes neue Becken bekommt. Setze Fische nach und nach in kleineren Gruppen ein, damit die Bakterien mit der Belastung mithalten können.
Häufige Fehler
- Fische in der ersten Woche, „um das Becken einzufahren“,
- volle Düngergaben in den ersten Wochen bei Aquasoil, das ohnehin schon Nährstoffe abgibt,
- eine lange Beleuchtungsdauer von Tag eins an,
- den Filter unter dem Wasserhahn ausspülen – Chlor tötet die Bakterien,
- mehrere Dinge gleichzeitig zu ändern, sobald Algen auftauchen.